Zahlen und Fakten

Zahlen und Fakten

Aktuelle Versuchstierzahlen in Deutschland

In Deutschland stieg die Zahl der Tiere, an denen Experimente für die medizinische Forschung durchgeführt von 2002 bis 2013 kontinuierlich an: 2013 wurden 2,9 Millionen Versuchstiere registriert, 36 Prozent mehr als noch 2002. Die aktuellsten Versuchstierzahlen aus 2014 zeigen einen leichten Rückgang auf 2,8 Millionen Versuchstiere. Hier ist jedoch eine veränderte Zählweise zu berücksichtigen, wodurch die Zahl mit den Vorjahren schwer vergleichbar ist (vgl. Erläuterungen im untenstehenden Text). Versuche im engeren Sinne werden an rund 2 Millionen dieser registrierten Tiere durchgeführt. Die anderen knapp 800.000 Tiere werden getötet, um ihnen Zellen, Gewebe oder Organe für wissenschaftliche Zwecke zu entnehmen. Das zählt laut Deutschem Tierschutzgesetz nicht als Tierversuch, sofern vorher keine weiteren Eingriffe an den Tieren vorgenommen wurden.

Grafik: Wie hoch ist der Anteil von Versuchstieren an der gesamten Nutzung von Tieren?

Wie hoch ist der Anteil von Versuchstieren an der gesamten Nutzung von Tieren?

In den vergangenen Jahren ist zudem ein wachsendes Forschungsinteresse an so genannten transgenen Mäusen zu beobachten. Sie machen inzwischen fast ein Drittel der Versuchstiere aus. Transgenen Mäusen werden bestimmte Gene aus fremden Organismen eingesetzt oder eines ihrer eigenen Gene wird funktionsuntüchtig gemacht. Gezielt können Forscher eine oder mehrere Erbanlagen verändern und die Auswirkungen am lebenden Tier untersuchen.

 

 

veränderte Zählweise

Seit 2014 werden mehr Tierversuche erfasst, weil im Vorjahr die Richtlinie 2010/63/EU der Europäischen Union auch in Deutschland eingeführt wurde und sich damit die verändert hat. Die neue Verordnung erweiterte die Meldepflicht für Versuchstiere und für bestimmte Tiergruppen. So wurden beispielsweise bis 2013 alle Tiere erfasst, mit denen ein Versuch begonnen wurde. Seit 2014 müssen Forscher die Zahl der Versuchstiere hingegen erst dann melden, wenn sie den Versuch abgeschlossen haben. In der Übergangszeit sind daher einige Tiere mehrfach in die Versuchstierstatistik eingegangen. Eine weitere Änderung betrifft die Zählung transgener Tiere: Bisher wurden Zuchttiere in der Statistik nicht berücksichtigt, seit 2014 werden sie hingegen teilweise mitgezählt. Dadurch ist laut Statistik die Zahl gestiegen, obwohl nicht mehr Tiere eingesetzt wurden. Die Daten für 2014 sind daher nur eingeschränkt mit den Zahlen der Vorjahre zu vergleichen.

Einsatzbereiche der Versuchstiere

Die meisten Versuchstiere werden in der Grundlagenforschung benötigt. Seit 2000 ist ihre Zahl kontinuierlich gestiegen. 31,1 Prozent der Tiere werden für Experimente in diesem Bereich eingesetzt. Weitere 11,9 Prozent beansprucht die sogenannte translationale und angewandte Forschung. Das sind Forschungsprojekte mit einem direkten Bezug zu bestimmten Erkrankungen. 28,2 Prozent der Tiere werden getötet, damit ihnen Gewebe oder Organe für wissenschaftliche Zwecke entnommen werden können. Häufig ist das die Grundlage für so genannte Alternativ- und Ergänzungsmethoden, mit denen langfristig die Zahl der Tierversuche reduziert werden soll. Zudem werden Versuchstiere für gesetzlich vorgeschriebene Sicherheitstests, Qualitätskontrollen und Giftigkeitstests eingesetzt (23,7 Prozent). Diese sind beispielsweise eine Voraussetzung für die Zulassung von Medikamenten.

Grafik: Wie läuft die Entwicklung eines neuen Medikaments ab?

Wie läuft die Entwicklung eines neuen Medikaments ab?

Welche Tierarten werden eingesetzt?

Laut der jüngsten Erhebung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft waren im Jahr 2014 von den rund 2,8 Millionen Tieren, die für wissenschaftliche Zwecke und Sicherheitsprüfungen eingesetzt wurden, 68% Mäuse, gefolgt von Ratten mit 13%. Insgesamt waren knapp 83% der Versuchstiere Nagetiere. Fische machten etwa 10% aus und Vögel 2%. 0,04% der Versuchstiere waren Katzen, 0,1% Affen und Halbaffen und 0,1% Hunde. Menschenaffen werden in Versuchen nicht verwendet. Auf einer gesonderten Seite haben wir weitere Informationen zu den verschiedenen Tierarten, die in der Forschung eingesetzt werden, zusammengestellt.

Tierversuche sind vorgeschrieben

In etwa 20 deutschen und europäischen Gesetzen und Verordnungen sind Tierversuche verbindlich vorgeschrieben. Dazu gehören die Gesetze für Arzneimittel, Chemikalien, Futtermittel, Gentechnik, Infektionsschutz, Lebensmittel- und Bedarfsgegenstände, Pflanzenschutz und Tierseuchen. Während Tierversuche für wissenschaftliche Zwecke von den zuständigen Behörden genehmigt werden müssen, müssen gesetzlich vorgeschriebene Tierversuche lediglich gemeldet werden.

Alle Personen, die mit Versuchstieren umgehen und Versuche durchführen, müssen eine spezielle Ausbildung nachweisen. Das gilt für Tierpfleger und Tierärzte, für Wissenschaftler und Mitarbeiter, die die Tierversuche durchführen, sowie für die verantwortlichen Versuchsleiter.

Alternativen

So häufig wie möglich wählen Forscher Methoden, die ohne Versuchstiere auskommen. Universitäten, Wissenschaftler und Fachbehörden verstärken die Suche nach alternativen Methoden, die Tierversuche ersetzen. In vielen Labors gehören sie bereits zum wissenschaftlichen Alltag.

Diese Entwicklung verläuft ganz im Geist der Basler Deklaration von 2010. Darin verpflichteten sich Wissenschaftler im In- und Ausland auf das so genannte „3R-Prinzip“: Die englischen Begriffe Replace, Reduce, Refine stehen für das Bemühen, Tierversuche wenn möglich zu vermeiden, dabei möglichst wenige Versuchstiere einzusetzen, die Belastung für die Tiere zu verringern und ihre Lebenssituation zu verbessern.

Grafik: Das 3R-Prinzip

Wofür steht das 3R-Prinzip bei Tierversuchen?

Vor allem die Grundlagenforschung wird jedoch auf absehbare Zeit nicht auf Tierversuche verzichten können. Die Zusammenhänge im Organismus von Lebewesen sind viel zu komplex, als dass sie mit den bis jetzt entwickelten Alternativmethoden erforscht und erklärt werden könnten.

In der Basler Deklaration hat sich die Wissenschaft selbst verpflichtet, mit der Öffentlichkeit einen intensiven und vorurteilsfreien Dialog über Tierversuche zu führen.

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