Corona-Impfung: Erste Ergebnisse machen Hoffnung – Tierversuche ebneten den Weg

Corona-Impfung: Erste Ergebnisse machen Hoffnung – Tierversuche ebneten den Weg

Tierversuche an Mäusen und Rhesusaffen haben den Weg zum Impfstoff-Kandidaten von Biontech/Pfizer geebnet.

Auch wenn noch viele Fragen offen sind, gibt es einen ersten Hoffnungsschimmer für einen kurzfristig verfügbaren Corona-Impfstoff. Nach Angaben der Impfstoffentwickler Pfizer und BioNTech lassen erste Auswertungen zum Impfstoffkandidaten BNT162b2 auf eine Wirksamkeit von mehr als 90 % schließen. Tierversuche an Mäusen und Rhesusaffen haben den Weg zu diesen vielversprechenden Ergebnissen geebnet.

Aktuell (Stand 10.11.2020) befinden sich weltweit 47 Impfstoffkandidaten in der klinischen Erprobung. Zehn davon in der finalen Phase III. In dieser Phase werden Impfstoffe an vielen Tausend freiwilligen Probanden auf ihr Wirksamkeit und Sicherheit hin untersucht. Eine erste Zwischenauswertung für den Kandidaten des Mainzer Unternehmens BioNTech hat nun ergeben, dass der Impfstoff mehr als 90 von 100 symptomatischen COVID-19- Erkrankungen verhindern könnte. Das wäre ein vergleichsweise hoher Grad an Wirksamkeit. Das Zwischenergebnis gilt bisher nur für eine kleine Gruppe von Probanden. Insgesamt 94 Corona-Fälle wurden in dieser Gruppe registriert. Die gesamte Studie umfasst indes mehr als 40.000 Probanden. Die endgültigen Ergebnisse stehen also noch aus.

Ohne Tierversuche kein Corona-Impfstoff

Der Zulassung für die ersten klinischen Tests an Menschen durch das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) waren Tierversuche an Mäusen und Ratten vorausgegangen. Dabei wurden etwa die Fähigkeit zur Auslösung einer Immunantwort (Immunogenität), die Dosierung und das Impfschema, also wann und wie häufig geimpft werden muss, sowie mögliche Nebenwirkungen untersucht. Ausführlichere Informationen zu den Tierversuchen vor den ersten Tests an Menschen für den Impfstoffkandidaten BNT162b2 finden sich im Press-Briefing des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) (Seiten 7,9). Das Paul-Ehrlich-Institut ist die deutsche Zulassungsbehörde für Impfstoffe.

Zwei Rhesusaffen

Rhesusaffe im Freigehege des Deutschen Primatenzentrums. Foto: Anton Säckl

Die Voraussetzungen für die Zulassung eines Impfstoffs sind international harmonisiert. Hierzu zählt auch, welche Daten aus Tierversuchen dafür vorliegen müssen. Darauf hatten sich mehr als 20 internationale Regulierungsbehörden bereits im März verständigt. Darunter sind unter anderem die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA, die europäische Arzneimittelagentur EMA, die Weltgesundheitsorganisation WHO und auch das deutsche PEI.

In einer späteren Phase wurden Tierversuche mit Rhesusaffen durchgeführt. Rhesusaffen sind natürlicherweise empfänglich für eine Infektion mit SARS-CoV-2 und entwickeln auch Krankheitssymptome wie etwa eine Lungenentzündung. Sie eignen sich also sehr gut als Tiermodell für die COVID-19-Erkrankung. Nach der Gabe des experimentellen Impfstoffs BNT162b2 wurden die Tiere mit dem Virus infiziert – sie waren jedoch geschützt, eine Infektion war nicht nachweisbar.

Die Ergebnisse der Studien wurden im September 2020 als sogenanntes PrePrint (nicht durch unabhängige Experten begutachtete Vorveröffentlichung) publiziert und bekanntgegeben.

Corona-Impfstoff made in Germany

Das Mainzer Unternehmen BioNTech hat den Impfstoffkandidaten in Deutschland entwickelt. Zur klinischen Entwicklung sowie der Erprobung und Herstellung seines mRNA-basierten Impfstoffs arbeitet BioNTech mit dem US-Pharmakonzern Pfizer zusammen. Ebenfalls eine mRNA-Impfstoff-Strategie verfolgt auch ein zweites deutsches Unternehmen, CureVac, aus Tübingen. Einen dritten Impfstoffkandidaten entwickelt das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF). Bei diesem handelt es sich um einen Vektorimpfstoff, der die Virusinformation nicht in Form der mRNA sondern mithilfe eines harmlosen Trägervirus in den Körper schleust. Beide Kandidaten befinden sich aktuell ebenfalls in der klinischen Erprobung (Phase II bzw. Phase I).

In dieser interaktiven Grafik erfahren Sie, was ein mRNA-Impfstoff ist, wie die Impfstoffentwicklung abläuft, und warum dieser Prozess, der sonst viele Jahre dauert, bei COVID-19 so stark beschleunigt werden konnte:

Hoffnung – aber noch viele offene Fragen

In die nun bekannt gewordenen Zwischenergebnisse flossen die Daten von nur wenigen Probanden ein. Für eine Zulassung sind diese Daten noch nicht aussagekräftig genug. Außerdem beantworten sie viele Fragen noch nicht. So ist etwa weiterhin unbekannt, ob eine Impfung mit BNT162b2 eine Infektion komplett verhindert oder nur vor einem symptomatischen Krankheitsverlauf schützt? Eine Frage, die jedoch für die weitere Ausbreitung des Coronavirus und auch damit zusammenhängende Schutzmaßnahmen relevant ist.

Es gibt aber auch noch einige weitere positive Signale aus der Verkündung der Zwischenergebnisse. So hat sich damit zum Beispiel bestätigt, dass das anvisierte Spike-Protein des Coronavirus tatsächlich ein geeigneter Angriffspunkt ist. Da fast alle gegenwärtig in der Entwicklung befindlichen Corona-Impfstoffkandidaten dieses Spike-Protein zum Ziel haben, gab es Befürchtungen, ob man hier nicht alles auf eine – und damit womöglich auf die falsche – Karte gesetzt haben könnte. Nun steht fest: Es ist die richtige Karte.

Engpässe bei Forschungsaffen durch Corona-Pandemie

Die Tierversuche mit Rhesusaffen fanden am Southwest National Primate Research Center in Texas sowie am Lafayette-New Iberia Research Center in Louisiana in den USA statt.

BioNTech und Pfizer könnten dabei von ihrer hohen Entwicklungsgeschwindigkeit profitiert haben: Aufgrund des Pandemie-Ausbruchs hatte China bereits Anfang des Jahres 2020 den Export von Primaten für die Forschung komplett eingestellt. Dieser Effekt trat mit Verzögerung ein und bringt nun insbesondere US-amerikanische Corona-Forschungsprojekte durch die erhöhte Nachfrage nach diesen Tieren zunehmend in Bedrängnis. In den USA stammt der Großteil der Affen, die in der Forschung eingesetzt werden, aus China. In einem Brief der European Animal Research Association (EARA) an die WHO wird berichtet, dass die Verfügbarkeit von Primaten für die Forschung auch in Europa zunehmend zum Engpass wird.


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