Camostat Mesilat – der Schutzschirm gegen SARS-CoV-2?

Camostat Mesilat – der Schutzschirm gegen SARS-CoV-2?

Stefan Pöhlmann (rechts) mit seinen Mitarbeitern Markus Hoffman und Hannah Kleine-Weber.Foto: dpz

Ein bekanntes Medikament hemmt das neue Corona-Virus, in die Wirtszelle einzudringen. Stefan Pöhlmann vom Deutschen Primatenzentrum (DPZ) berichtet im Interview, wie er den Wirkstoff fand.

28.05.2020

Wie lange forschen Sie schon an Coronaviren und was gab den Ausschlag, sich mit der Materie zu befassen?

Mein Labor arbeitet seit etwa 15 Jahren an Coronaviren. Der SARS-Ausbruch in China gab den Ausschlag, sich mit Coronaviren zu beschäftigen.

Wie helfen Ihnen die vorhandenen Forschungsergebnisse bei der Erforschung des neuen Coronavirus? Was unterscheidet das SARS-CoV-2 von anderen bereits bekannten Coronaviren?

Das Anheftungsprotein (Spike) des neuen Coronavirus SARS-CoV-2 verwendet den gleichen Anheftungsfaktor (ACE2) wie das erste SARS-Virus.Abbildung: Markus Hoffmann

Unsere vorhandenen Forschungsergebnisse waren bei der Erforschung des neuen Coronavirus sehr hilfreich, da das neue Virus ähnliche Mechanismen verwendet, um in Zellen einzudringen wie bekannte Coronaviren.

Wie sind Sie darauf gekommen, dass der Wirkstoff Camostat Mesilat gegen das SARS-CoV-2 eingesetzt werden könnte?

Wir wussten, dass Camostat Mesilat den Eintritt anderer Coronaviren in Zellen hemmt. Daher war es naheliegend zu testen, ob die Substanz auch gegen SARS-CoV-2 wirksam ist.

Was sind die nächsten Schritte? Wie gehen Sie dabei vor?

Camostat Mesilat wird bereits in klinischen Studien auf seine Wirksamkeit gegen COVID-19 untersucht. Auch ein weiterer Wirkstoff, Nafamostat Mesilat, den wir als Hemmer der SARS-CoV-2-Infektion identifiziert haben, wird bereits zur Behandlung von COVID-19 eingesetzt. Wir sind gespannt, was diese Studien ergeben und untersuchen, ob Viren Resistenz gegen diese Wirkstoffe erwerben können. Weiterhin versuchen wir, bessere Wirkstoffe zu identifizieren und den Eintritt von SARS-CoV-2 in Wirtszellen besser zu verstehen. Dabei interessiert uns auch, wie eng verwandte Viren von Fledermäusen ihr Spike-Protein verändern müssen, um in menschliche Zelle eindringen zu können.

Ihre Forschungsergebnisse haben ein lebhaftes mediales Echo hervorgerufen. Kommen nun Forscherteams, Unternehmen oder Regierungen auf Sie zu, die ihre Ergebnisse zur Entwicklung von Medikamenten nutzen wollen? Ließe sich der Wirkstoff schnell in großen Mengen herstellen und weltweit verteilen?

Wir stehen in Kontakt mit Kollegen, die klinische Studien zu Camostat Mesilat planen oder bereits durchführen. Ich habe gehört, dass die Synthese der Substanz nicht sehr aufwändig ist.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich willige ein, dass meine Daten zur Bearbeitung des Anliegens gespeichert und verarbeitet werden.
(Sie haben jederzeit die Möglichkeit eine Auskunft über die Art der gespeicherten Daten zu erhalten, die Einwilligung zu wiederrufen, die Daten zu korrigieren oder zu löschen. Nähere Informationen entnehmen Sie bitte unserer Datenschutzerklärung ) .