Qualitätssiegel für Best Practice in der Tierversuchs-Kommunikation

Qualitätssiegel für Best Practice in der Tierversuchs-Kommunikation

Wie können Universitäten, Institute und Organisationen über ihre Forschung mit Tierversuchen informieren? Die Initiative Tierversuche verstehen zeigt, an welchen Einrichtungen das bereits geschieht und erhöht die Sichtbarkeit guter Beispiele. Sie zeichnet dazu Forschungseinrichtungen und Wissenschaftsorganisationen aus, die sich in vorbildlicher Weise für transparente und offene Kommunikation und den Dialog über Tierversuche und tierexperimentelle Forschung engagieren.

Die Auszeichnung soll auch neue Impulse und Anreize für andere Forschungseinrichtungen und -organisationen geben, eigene Kommunikationsanstrengungen zu intensivieren und zu verbessern.

Hat sich Ihre Einrichtung auch vorbildlich für transparente und offene Kommunikation über Tierversuche engagiert? Melden Sie sich bei uns!

 

Universität Hohenheim, Stuttgart

Die Universität Hohenheim setzt auf einer leicht zugänglichen Webseite mit ausführlichen Informationen zu Tierversuchen Maßstäbe vorbildlicher Kommunikation. Die Informationen vermitteln transparent Hintergründe, Motivation und Umfang verantwortungsbewusster Tierversuche an der Hochschule.

An die Durchführung von Tierversuchen legen Gesellschaft, Gesetzgeber und die Universität Hohenheim selbst sehr strenge Maßstäbe. Wichtig für den Aufbau von Vertrauen ist es aber, die Umsetzung dieser Maßstäbe zu kommunizieren. Diesem Ziel entspricht die Universität Hohenheim in besonderem Maße.

Website Universität Hohenheim

Die Website der Universität Hohenheim bietet ausführliche Informationen zu Tierversuchen. Foto: Screenshot, Quelle: Website der Universität Hohenheim

„Kein Tierversuch, wenn es Alternativen gibt“

Auf der Internetseite erhalten Interessierte Einblicke in besondere, von der Universität eigens entwickelte Leitlinien für Tierversuche, zu denen auch ein expliziter Schutz von Whistleblowern gehört, die persönliche Bedenken zu äußern und auf eventuelle Mängel in Haltung, Pflege und Umgang mit Tieren aufmerksam zu machen.

Zudem werden Zahlen und Statistiken sowie Informationen zu Tierversuchen in Lehre und Forschung aufgeführt. Unter dem Leitgedanken „Kein Tierversuch, wenn es Alternativen gibt“ stellt die Universität zudem tierversuchsfreie Forschungsmethoden vor. In einem eigenen „Zoologie-Blog“ berichten Studierende über den Einsatz von Tieren in der Lehre.

Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin, Berlin

Dass in der Forschung des MDC auch Tierversuche eine wichtige Rolle spielen, daraus macht das Institut keinen Hehl, sondern bringt sich „aus Überzeugung am gesellschaftlichen Dialog“ immer wieder aktiv in den öffentlichen Diskurs ein.

Transparente und verständliche Darstellung

In vorbildlicher Weise werden auf der Webseite des MDC an zentraler Stelle Informationen zu Versuchstierzahlen, dem 3R-Prinzip oder der Entwicklung und Verwendung alternativer Forschungsmethoden transparent und verständlich dargestellt. Das MDC beteiligt sich an Informationsveranstaltungen für die Politik oder regionalen Events wie etwa der Berlin Science Week.

Vorbildlich ist auch die Solidarität unter den Mitarbeitenden. Sie setzen sich gemeinsam für ihre Kolleginnen und Kollegen ein, wenn diese sich öffentlichem Druck in ausgesetzt sehen. So gingen sie etwa mit eigenen Plakaten, auf denen der eigene Standpunkt aber auch die Dialogbereitschaft kundgetan wurde, gemeinsam in die Offensive, als einem Kollegen in einer öffentlichen Kampagne ein „Herz aus Stein“ attestiert werden sollte.

Für eigene Forschung einstehen
Kommunikation, Max-Delbrück-Centrum

Forschende des Max-Delbrück-Centrums. Foto: Screenshot, Quelle: Website des Max-Delbrück-Centrums

In einer bundesweit bisher einmaligen Gemeinschaftsaktion erklären mehr als 40 Forschende des MDC in kurzen Statements ihre Forschung und „Warum wir auf Tierversuche noch nicht verzichten können“. Dabei zeigen Sie explizit Name und Gesicht.

Das MDC zeigt, dass es für Forschungseinrichtungen wichtig ist, transparent und verantwortungsbewusst für die eigene Forschung und die Mitarbeitenden einzustehen. Wer sich versteckt, der hat womöglich etwas zu verbergen – das gilt auch für die tierexperimentelle Forschung. Wer sich allerdings nicht versteckt und auch mit kritischen Themen offen umgeht, der zeigt sich Transparenz und stärkt das Vertrauen in die eigene Sache.

Deutsches Primatenzentrum – Leibniz Institut für Primatenforschung, Göttingen

Das Deutsche Primatenzentrum (DPZ) in Göttingen ist bundesweit ein Paradebeispiel für den verantwortungsbewussten Umgang mit Tierversuchen.

Das DPZ ist dabei hohen ethischen Standards und engagierter Kommunikation verpflichtet. In einer Infothek werden sowohl einzelne Projekte als auch die jährlichen Versuchstierzahlen des Instituts detailliert dargestellt. In zwei virtuellen Touren können sich Interessierte sowohl durch die Tierhaltung als auch in 3 Dimensionen durch die Labore klicken.

Deutsches Primatenzentrum

Die Infothek zu Tierversuchen am Deutschen Primatenzentrum in Göttingen. Foto: Screenshot, Quelle: Website des Deutschen Primatenzentrums

Führungen für Interessierte

Das DPZ veranstaltet regelmäßige Führungen für interessierte Gruppen sowie die eigenen Mitarbeiter, spielt eine engagierte Rolle bei Diskussionsveranstaltungen in der Stadt und präsentiert seine Forschung samt Methoden bei lokalen und regionalen Events wie der „Langen Nacht der Wissenschaft“. Bei Pressemitteilungen wird auf die verständliche Beschreibung von Methoden und Tiereinsatz geachtet.

Rudolf-Zenker-Institut für Experimentelle Chirurgie, Universitätsmedizin Rostock

In einem virtuellen Labor-Rundgang erhalten Interessierte anhand von zwölf interaktiven Innenaufnahmen einen Einblick in die Arbeit des Instituts für experimentelle Chirurgie (IEC), die zentrale Einrichtung für Tierversuche und Tierhaltung der Universitätsmedizin Rockstock.

virtueller Rundgang

Die Haltung von Kleintiernagern im Institut für Experimentelle Chirurgie in Rostock. Foto: Screenshot, Quelle: virtueller Rundgang des Rudolf-Zenner-Instituts

Interaktiver Rundgang

In jedem Einzelbild können Nutzer sich nicht nur in einem 360°-Blick umsehen, sie erhalten auch Information zu verschiedenen Themen, etwa zu den rechtlichen Rahmenbedingungen für Tierversuche oder zu bestimmten Einrichtungen des Instituts. Darüber hinaus wird am IEC auch für die bessere Belastungseinschätzung von Tieren in Tierversuchen geforscht.

Der interaktive Rundgang des Instituts ist ein nachahmenswertes Beispiel für Transparenz. Oft gelten Forschungseinrichtungen, in denen Tierversuche stattfinden, noch immer als „Blackbox“, hinter dessen Fassade man nicht blicken darf oder kann. Das schürt Misstrauen. Im IEC können sich Interessierte zu jeder Zeit ein eigenes Bild machen.

Pro-Test Deutschland e.V.

In dem gemeinnützigen Verein Pro-Test Deutschland haben sich Tierpflegende, Studierende, Forschende und Tierärzt:innen ehrenamtlich zusammengeschlossen, um offen und ehrlich über Tierversuche zu diskutieren und Tierversuchen den Stempel des Tabuthemas zu nehmen. So bündelt der gemeinnützige Verein Erfahrungen und Ideen, um für eine aufrichtige Debatte rund um das Thema in der Öffentlichkeit aber auch in der Wissenschaftsgemeinde zu sorgen und die konkrete Arbeit von Wissenschaftler:innen mit Tieren in den gesellschaftlichen Diskurs einzubringen. Damit schlägt der Verein eine Brücke zwischen Wissenschaftssphäre und Öffentlichkeit.

Pro-Test Deutschland e.V.

Die Mitglieder des gemeinnützigen Vereins sind in den sozialen Netzwerken aktiv. Foto: Screenshot, Quelle: Twitter-Account von Pro-Test Deutschland

Sachliche Debatte in den sozialen Medien

Um diese offene Debatte zu fördern, engagieren sich die Mitglieder von Pro-Test auch bei Facebook und Twitter und diskutieren dort leidenschaftlich. Gerade in sozialen Netzwerken wird die Debatte um Tierversuche meist hitzig und emotional geführt. Pro-Test versucht in dieser Debatte eine sachliche, wertschätzende und respektvolle Diskussion auf Augenhöhe zu erreichen. Dass dieser Ansatz sinnvoll ist, hat sich nicht zuletzt in einer besonders hitzigen Facebook-Debatte um das Hamburger Auftragsforschungslabor LPT gezeigt.

Darüber hinaus wirkt Pro-Test auch in die Wissenschaft hinein, indem der Verein für Forschenden und Einrichtungen für mehr proaktive Kommunikation und Transparenz wirbt und dazu eigene Trainings- und Beratungsangebote macht.

Max-Planck-Gesellschaft

Die Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (MPG) ist sich ihrer besonderen Verantwortung gegenüber der eigenen Forschung und ihrer Rolle innerhalb der Gesellschaft bewusst und hat daher im Jahr 2016 das Whitepaper „Tierversuche in der Max-Planck-Gesellschaft“ erarbeitet.

Veröffentlichung eines Whitepapers

In der rund 30-seitigen Grundsatzerklärung erläutert die MPG die Herausforderungen, die mit dem Einsatz von Tierversuchen entstehen und fügt dem 3R-Prinzip ein viertes ‚R‘ hinzu: Responsibility (Verantwortung).

White Paper

Das Cover des White Papers. Foto: Screenshot, Quelle: White Paper der Max-Planck-Gesellschaft

Die MPG setzt sich kritisch mit ethischen Konflikten und rechtlichen Rahmenbedingungen auseinander und schafft ein Verständnis für die Wichtigkeit von Tierversuchen in der Grundlagenforschung.

Ergebnisse des durch das Whitepaper angestoßenen Prozesses sind u.a. verpflichtende Ethik-Kurse für alle, die an Max-Planck-Instituten mit Tieren arbeiten. Außerdem wurde eine neue Position inerhalb der MPG geschaffen, die das Thema Tierversuche zusammen mit den betreffenden Max-Planck-Instituten zentral betreut. Im eigenen Online-Themenportal Tierversuche, stellt die MPG umfassende und aktuelle Informationen bereit wie etwa die zusammengefassten Versuchstierzahlen aller Max-Planck-Institute.

 


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