Tierschutz verbessert : DFG-Preis für Hartung und Leist

Tierschutz verbessert : DFG-Preis für Hartung und Leist

Prof. Dr. Marcel Leist ist Professor für In-Vitro-Toxikologie und Biomedizin an der Universität Konstanz. Er leitet das Zentrum für Alternativen zum Tierversuch in Europa. Foto: Universität Konstanz

Zwei Biochemiker erhalten in diesem Jahr den Ursula M. Händel-Tierschutzpreis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG): Professor Dr. Dr. Thomas Hartung, Johns-Hopkins-Universität Baltimore sowie Universität Konstanz, und Prof. Dr. Marcel Leist, ebenfalls Universität Konstanz. Beide werden mit der Auszeichnung für ihr Schaffen geehrt, das den Tierschutz im Sinne des 3R-Prinzips verbessert. 3R steht für replace (ersetzen), reduce (verringern) und refine (verbessern).

Prof. Thomas Hartung. Foto: privat

Den Preisträgern gelang es, anhand der Informationen über die Toxizität einer bereits gut untersuchten Substanz Vorhersagen über die Giftigkeit eines bisher nicht erforschten Stoffes zu treffen (sogenanntes READacross-Verfahren) zu treffen. Mithilfe Künstlicher Intelligenz entwickelten die Preisträger zudem den RASAR-Ansatz (read-across-based structure activity relationships), der Informationen aus toxikologischen Datenbanken für automatisierte Vorhersagen nutzt. Damit lassen sich Aussagen über die Giftigkeit von Chemikalien ohne zusätzliche Tierversuche vornehmen. Zudem lassen sich zusätzliche Studien vermeiden, die mit einer hohen Anzahl an Versuchstieren einhergehen würden.

Prof. Dr. Marcel Leist. Foto: Uni Konstanz

Beitrag zur Anerkennung von Alternativmethoden

Die Jury des Händel-Preises hätte zudem die Art und Weise überzeugt, wie die beiden Forscher die Methoden umgesetzt haben. , heißt es weiter. Hartung und Leist hätten insbesondere durch die internationale Vernetzung der verschiedenen Stakeholder – Forschende, regulatorische Behörden, Nichtregierungsorganisationen und Industrie – einen wesentlichen Beitrag zur Anerkennung von Alternativmethoden leisten können, schreibt die DFG in der Würdigung. Die Forscher hätten dadurch einen wesentlichen Beitrag zur Anerkennung von Alternativmethoden geleistet. Beide seien damit Vorreiter für die Entwicklung von Alternativmethoden im Bereich der Toxikologie – und international hoch anerkannt.

Ehrung für das Lebenswerk

Hartung und Leist werden deshalb nicht für die Entwicklung einer Alternativmethode, sondern für ihr Lebenswerk geehrt. “Sie haben über die Grundlagenforschungstätigkeit hinaus einen großen Beitrag für den Tierschutz geleistet”, sagte die Vorsitzende der DFG-Senatkommission für tierexperimentelle Forschung, Prof. Dr. Brigitte Vollmar. Sie ist auch Mitglied der Tierschutzpreis-Jury.

Das Preisgeld in Höhe von 80.000 Euro wollen beide Preisträger dazu nutzen, um Nachwuchsforschenden Zugang zur 3R-Forschung zu ermöglichen. Die Preisverleihung findet statt am Donnerstag (1. Oktober 2020) um 16:30 Uhr in der Aula der Justus-Liebig-Universität Gießen. Die Online-Reservierung kann unter https://www.uni-giessen.de/icar3preisverleihung erfolgen.

Eine Präsenzteilnahme ist nach einer Bestätigung durch die DFG möglich.


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