March for Science – Forscher demonstrieren für die Freiheit der Wissenschaft

March for Science – Forscher demonstrieren für die Freiheit der Wissenschaft

Prof. Otmar D. Wiestler, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft, macht sich für den March for Science stark. Foto: Steffen Jänicke/Helmholtz-Gemeinschaft

Seit einiger Zeit wächst eine Besorgnis erregende Entwicklung: Wissenschaftsfeindliche und antidemokratische Meinungen erhalten eine öffentliche Bühne. Am Samstag, 22. April, demonstrieren Forscher und Bürger weltweit beim March for Science dagegen. Sie wollen damit einer zunehmenden Wissenschaftsfeindlichkeit entgegentreten.

 

Prof. Dr. Otmar D. Wiestler ist Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft, die für das Jahr 2017 die Federführung in der Allianz der Wissenschaftsorganisationen übernommen hat. Er beteiligt sich am March for Science in Berlin und hofft auf viele Teilnehmer bei den insgesamt 21 Veranstaltungen in deutschen Universitätsstädten. Im Interview mit „Tierversuche verstehen“ erklärt Wiestler, warum es wichtig ist, gerade jetzt ein Zeichen für die Wissenschaft zu setzen.

 

Warum sollten möglichst viele Wissenschaftler am 22. April auf die Straßen gehen und demonstrieren?

 

Wiestler: Es wird höchste Zeit, dass die Wissenschaft ein Zeichen setzt. Denn die wissenschaftliche Freiheit gerät international zunehmend in Bedrängnis. Insbesondere hierzulande mit einer so nachhaltigen Forschungsförderung sollten wir uns dazu verpflichtet fühlen. Denn unser Wohlstand und Fortschritt sind Ergebnis eben jener Freiheit. Wir Wissenschaftler in Deutschland müssen Farbe bekennen. Meine Hoffnung ist, dass wir über den March for Science hinaus ein dauerhaftes Eintreten für Bildung, Wissenschaft und Forschung in der Öffentlichkeit erleben.

 

Welche Gefahren sehen Sie aktuell für die Wissenschaft?

 

Logo march for science

Der march for science findet weltweit statt. In Deutschland sind Aktionen in 21 Städten geplant.

Wiestler: Die Freiheit der Wissenschaft ist in einer beängstigend wachsenden Zahl an Ländern in Gefahr. In der Türkei, Polen oder Ungarn beispielsweise werden Wissenschaftler zunehmend behindert. Zum anderen gibt es die beunruhigende Entwicklung, dass wissensbasierte Fakten in Frage gestellt werden. Bedenklich wird es, wenn zum Beispiel erwiesene Entwicklungen wie der Klimawandel geleugnet oder die Bedeutung der Geistes- und Sozialwissenschaften prinzipiell angezweifelt werden.

 

Eine weitere Gefahr für die Wissenschaft ist die steigende Zahl der Länder, die immer weniger in Bildung und Forschung investieren. Das kann dramatische Konsequenzen haben. Denn Bildung, Wissenschaft und Forschung sind für alle Länder die Lebensgrundlage. In Deutschland befinden wir uns in einer sehr komfortablen Situation. Wir genießen die Freiheit der Wissenschaft und die Förderung von Forschung und Bildung. Dadurch haben wir jedoch auch eine besondere Verantwortung.

 

Die biomedizinische Forschung steht häufiger im Fokus öffentlicher Kritik. Warum ist es wichtig, besonders für diesen Forschungszweig einzustehen?

 

Wiestler: Es herrscht ein breiter Konsens, dass kaum ein anderer Wissenschaftszweig so viel Einfluss auf unser persönliches Wohlergehen hat. Auch ist kein Geheimnis, dass Volkskrankheiten wie Diabetes oder Krebs auf dem Vormarsch sind, unter anderem weil unsere Gesellschaft zunehmend älter und somit häufiger krank sein wird. Deswegen ist es mir ein wichtiges Anliegen, dass wir in diesem Bereich stärker investieren. Nur dadurch werden wir diese massiven Herausforderungen lösen können.

 

Wissenschaftler, die daran arbeiten und bei ihrer Forschung Tierversuche durchführen, haben immer eine besondere ethische Verantwortung. Leider lässt sich die Forschung nicht immer durch Zellkulturen oder Computermodelle ersetzen. Gerade hierzulande findet sie jedoch in einem fest vereinbarten und streng überprüften gesetzlichen Rahmen statt. Zudem gilt für uns konsequent, dass wir Tierversuche nach Möglichkeit vermeiden, ihre Anzahl verringern oder – dort wo sie unvermeidbar sind – zum Wohl der Tiere unter größtmöglicher Schonung durchführen. Damit steht Deutschland vorbildlich da. Dennoch müssen Forscher noch mehr Offenheit wagen, um die Öffentlichkeit besser von der Notwendigkeit ihrer Arbeit zu überzeugen. Nur wenn sie noch stärker für ihre Forschung einstehen, ihre Methoden offenlegen und Fakten präsentieren, treten sie dem Verdacht entgegen, dass sie etwas verbergen möchten. Dafür müssen die Wissenschaftler in der Biomedizin ihre Forschung in besonderer Weise transparent machen und zeigen, wie wichtig sie für die Menschen ist.


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