Versuchstierzahlen in den Bundesländern 2024 – Factsheet

Die Initiative Tierversuche verstehen hat wie in den Vorjahren die veröffentlichten Versuchstierzahlen aus Deutschland auf der Ebene der Bundesländer analysiert und in einem Factsheet aufbereitet: Die Zahl der Versuchstiere ist 2024 erneut gesunken – dieses Mal von 2.128.520 auf 1.954.469 Tiere, also um 8,18 %. Zu diesen Tieren werden auch jene 626.538 für z.B. Organentnahmen getöteten Tiere hinzugezählt.

Das aktuelle Bundesländer-Factsheet (PDF) zeigt die veröffentlichten Versuchstierzahlen für das Jahr 2024 auf Ebene der 16 Bundesländer. Dabei bietet es jeweils einen Überblick über Besonderheiten, Hintergründe und gegebenenfalls Trends der Zahlen. 2024 wurden in Deutschland insgesamt 1.954.469 Tiere für wissenschaftliche Zwecke eingesetzt – ein neuer Tiefstwert. Doch hinter der bundesweiten Statistik verbergen sich große regionale Unterschiede: und genau die beleuchtet unser aktuelles Factsheet zu den Bundesländern. 

Deutlich wird in der Statistik, dass jedes Bundesland eine individuelle Forschungslandschaft besitzt. So sind in manchen Bundesländern mehr Forschungsinstitute, pharmazeutische Industrie oder Universitätskliniken angesiedelt als in anderen. Ein „Ranking“ der Bundesländer anhand der Gesamtzahl der Versuchstiere ignoriert diese Unterschiede.

Mäuse dominieren – mit regionalen Ausnahmen

In den meisten Bundesländern sind Mäuse mit Abstand die am häufigsten eingesetzten Versuchstiere. Besonders deutlich zeigt sich das in Hamburg (96,4 %), im Saarland (97,1 %) sowie in Sachsen-Anhalt (89,9 %), wo Mäuse mit Abstand den größten Anteil an eingesetzten Tieren ausmachen. Auch in Nordrhein-Westfalen (84,6 %), Bayern (82,9 %) und Baden-Württemberg (77,6 %) machen Mäuse mehr als drei Viertel der eingesetzten Versuchstiere aus.

Anders sieht es in Bremen und Mecklenburg-Vorpommern aus: Dort wurden 2024 deutlich mehr Fische eingesetzt als in anderen Bundesländern – die Anzahl der eingesetzten Fische übersteigt sogar deutlich die der Mäuse: In Bremen waren 76,8 % der eingesetzten Tiere Fische und nur 15,8 % Mäuse; In Mecklenburg-Vorpommern lag der Anteil der Fische bei 67,5 %, während Mäuse 20,0 % ausmachten. Diese Unterschiede spiegeln die jeweiligen Forschungsschwerpunkte wider: In Bremen liegt der Fokus auf mariner Ökologie und Aquakultur, in Mecklenburg-Vorpommern ebenfalls auf aquatischer Forschung.

Primaten, Katzen und Hunde: Nur in wenigen Bundesländern 

Es gibt Tierarten, die quantitativ nur eine sehr kleine Rolle spielen, aber medial oft Schlagzeilen machen und ethisch besonders kontrovers diskutiert werden. Dazu zählen Primaten, Hunde und Katzen. Primaten wurden 2024 nur in vier Bundesländern eingesetzt: Baden-Württemberg, Niedersachsen, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Hunde kamen in elf Bundesländern zum Einsatz, Katzen in sieben. Alle anderen Tierarten sind in fast allen Bundesländern vertreten. 

Bei den verwendeten Versuchstieren findet sich die Bezeichnung „Andere Tiere“. Mit „Andere Tiere“ sind folgende gemeint: Amphibien und Reptilien, Andere Nagetiere, Hamster, Meerschweinchen, Rennmäuse, Andere Säugetiere, Frettchen. Aus diesen Tiergruppen werden meist wenige Tiere verwendet, weshalb sie hier zusammengefasst sind. Einen großen Anteil machen dabei oft Krallenfrösche (Xenopus laevis) aus. Krallenfrösche sind seit Jahrzehnten ein wichtiger Modellorganismus in der entwicklungsbiologischen Forschung. Ihre Embryonen sind leicht zugänglich, sehr zahlreich (bis zu 15.000 Eier pro Weibchen) und entwickeln sich außerhalb des Mutterleibs im Wasser – ideal für Untersuchungen zur Zellteilung, Organentwicklung und Genregulation. Heute werden Krallenfrösche vor allem in der Grundlagenforschung, der Endokrinologie (Lehre von den Hormonen und ihren Erkrankungen) und für ökotoxikologische Studien eingesetzt. 

Niedrigster Stand in fast allen Bundesländern

In 12 von 16 Bundesländern wurden 2024 die niedrigsten Versuchstierzahlen seit dem Start der neuen Versuchstiermeldeverordnung im Jahr 2014 verzeichnet. Vier Bundesländer bilden Ausnahmen: In Bremen und Mecklenburg-Vorpommern stiegen die Zahlen im Vergleich zu den Vorjahren an, was auf den verstärkten Einsatz von Fischen zurückzuführen ist. Da Fische häufig in größeren Gruppen eingesetzt werden, tragen sie erheblich zu den jeweiligen Gesamtzahlen bei. In Sachsen zeigt sich seit 2014 ein eher steigender Trend, der in den letzten Jahren aber langsam wieder abnimmt, während die Zahlen in Bayern über die Jahre weitgehend stabil geblieben sind. Die bundesweite Entwicklung zeigt dennoch: Der seit 2019 anhaltende Rückgang an Versuchstieren setzt sich in der Mehrheit der Regionen Deutschlands fort.

Die Initiative Tierversuche verstehen will mit ihren detaillierten Analysen einen Beitrag zu einer faktenbasierten Diskussion in Deutschland leisten. Dazu gibt sie u.a. seit 2019 jährlich Factsheets über die Versuchstierzahlen der einzelnen Bundesländer heraus.

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