Triff die Nobelpreisträgerin! Schüler erleben Katalin Karikó exklusiv und persönlich

Die Spannung und Begeisterung waren deutlich spürbar, als eine außergewöhnliche Frau in einem roten Blazer den Raum betrat. Schließlich trifft man nicht jeden Tag eine Nobelpreisträgerin. Für 30 Schülerinnen und Schüler des Berufskollegs Olsberg wurde dieser besondere Moment Wirklichkeit: Als Gewinner des Schulwettbewerbs „Triff die Nobelpreisträgerin!“ der Initiative Tierversuche verstehen hatten sie die einmalige Gelegenheit, Professorin Katalin Karikó, die Medizin-Nobelpreisträgerin des Jahres 2023, persönlich zu treffen. 

Katalin Karikó gilt als Pionierin der mRNA-Forschung. Ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse, für die sie 2023 vom Nobelpreis-Komitee ausgezeichnet wurde, hatte nicht zuletzt den Grundstein für den ersten zugelassenen Corona-Impfstoff von BioNTech/Pfizer gelegt.   

Mehr als eine Stunde lang teilte die ungarisch-amerikanische Biochemikerin in den Räumen des Universitätsklinikums Frankfurt ihre beeindruckende Lebensgeschichte. Sie sprach über den Umgang mit Herausforderungen und Stress, gab Einblicke in ihre bahnbrechende Forschung und diskutierte offen über die Rolle von Tieren in der biomedizinischen Forschung. Vor allem sprach sie aber auch darüber, sich von Rückschlägen nicht entmutigen zu lassen. So habe die Universität von Pennsylvania ihre Arbeit 2012 noch als „unnütz“ bezeichnet. „Ich danke insofern all den Menschen, die mir das Leben schwer gemacht haben. Dadurch habe ich gelernt, mit Hindernissen umzugehen.“

Vorbereitung ist alles

„Es ist schon etwas anderes, wenn man eine Nobelpreisträgerin vor sich hat. Aber die Klasse ist gut vorbereitet. Das werden wir gut meistern”, sagte Schüler Lars Chlebowski. Und tatsächlich hatten die Olsberger Schüler sich im Vorfeld eine ganze Reihe Fragen überlegt. Als eine Schülerin nach einiger Zeit auf ihr Handy schaute, um die Liste der Fragen durchzugehen, merkte Katalin Karikó mit einem Zwinkern an, dass man ihr wohl gerade weitere Fragen zuschicken würde.

Katalin Karikó lebt in einem Vorort von Philadelphia an der Ostküste der USA. Den Anruf aus Schweden vom Nobel-Komitee habe ihr Mann daher aufgrund der Zeitverschiebung im Pyjama entgegengenommen.

Hart arbeiten und fokussiert bleiben

Katalin Karikó erinnerte sich an ihre eigene Schulzeit. Sie stammte aus einfachen Verhältnissen, ihr Vater war Metzger, ihre Mutter Buchhalterin. In der Schule habe sie, anders als die Olsberger Schülerinnen und Schüler, keinen Englisch-Unterricht gehabt. Vor kurzem habe sie noch einen Vortrag vor rund 6000 Schülerinnen und Schülern gehalten. Sie riet den Schülerinnen und Schülern, sich angesichts der Ablenkungen, zum Beispiel durch Social Media zu fokussieren. „Man hat nur dieses eine Leben“, so die Medizin-Nobelpreisträgerin. Sie forderte die Gäste auf, im Leben hart zu arbeiten.

Das außergewöhnliche Treffen mit Katalin Karikó hatten sich die 30 Schülerinnen und Schüler aus dem Sauerland in der Online-Endrunde von „Triff die Nobelpreisträgerin!“ erkämpft. Dort hatten sie sich gegen fünf andere Kurse durchgesetzt. Der Wettbewerb startete im Februar 2025 mit jeder Menge Aufgaben rund um das Thema mRNA und das Leben und Wirken von Katalin Karikó. Dabei bewiesen alle Teilnehmenden neben ihrem Wissen auch Geschick. Sie bastelten Modelle von Corona-Viren oder setzten den Lebenslauf der Nobelpreisträgerin kreativ, zum Beispiel als Video um.  

Laborbesuch und informative Vorträge

Der besondere Tag begann für die Schülerinnen und Schüler zunächst im Hörsaal der Frauenklinik des Universitätsklinikums Frankfurt. Dort erwartete sie Prof. Klaus Strebhardt, Leiter der Abteilung Molekulare Gynäkologie und Geburtshilfe am Universitätsklinikum Frankfurt, mit seinem Team Dr. Monika Raab und Dr. Mourad Sanhaji zu einer Führung durch sein Labor. Strebhardt forscht an einem mRNA-Wirkstoff im Kampf gegen den Eierstockkrebs, an dem jedes Jahr mehrere tausend Frauen in Deutschland sterben. Meist ist die Erkrankung schon zu weit fortgeschritten, wenn sie erkannt wird. Die Überlebenschance für die fünf Jahre nach der Diagnose liegt bei 20 bis 30 Prozent. „An dieser Situation hat sich seit 20 Jahren kaum etwas geändert“, betont Strebhardt. Im Fokus seiner Forschung steht das sogenannte Tumorsuppressor-Gen p53. Bei Eierstockkrebs-Patientinnen liegt hier häufig eine Mutation vor.

Strebhardt und sein Team haben mithilfe des mRNA-Ansatzes einen Bauplan für ein fehlerfreies p53-Protein entwickelt. Wie geforscht wird, konnten die Schülerinnen und Schüler in den Laboren der Klinik sehen. „Die Vorträge waren sehr informativ, aber auch der Einblick ins Labor. Wir haben viel erfahren über die Rolle des p53-Proteins bei Eierstock-Krebs”, sagt Schüler Lars Chlebowski. 

Auch Schülerin Colleen Dohle war begeistert von den Einblicken: „Der Vormittag war super organisiert. Wir konnten die mRNA-Forschung kennenlernen, die Labore, einiges war uns schon bekannt durch unsere Ausbildung. Das hat einfach mega Spaß gemacht. Wir konnten durch den heutigen Tag einen Einblick bekommen über Zukunftsperspektiven für uns als BTA-Auszubildende.“ 

Direkter Austausch

Interessierte Schülerinnen und Schüler trafen auf offene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Im Mittelpunkt stand die geteilte Begeisterung für biomedizinische Forschung und die Bereitschaft, gemeinsam neue Wege zu gehen. Das Treffen zeigte, wie wertvoll der direkte Austausch ist – und dass außergewöhnliche Ergebnisse oft dort entstehen, wo Neugier und Engagement aufeinandertreffen. 

Bilder-Galerie

Es war ein ereignisreicher Tag am Universitätsklinikum Frankfurt für die Schülerinnen und Schüler des Berufskollegs Olsberg. Einige Impressionen vom Laborbesuch bei Prof. Strebhardt und dem späteren Treffen mit Katalin Karikó:

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