Warum schmeckt der Streuselkuchen bei Oma besser, selbst wenn ich mich beim Backen genau an ihr Rezept halte? Und warum ist beides trotzdem noch Streuselkuchen? Alltägliche Fragen, die sich sinnbildlich auch auf Forschungsprojekte übertragen lassen. Welche Aspekte sind wichtig, um aussagekräftige und verlässliche Versuchsergebnisse zu erzielen? Einige wichtige Kriterien der Forschungsqualität werden auf den Seiten 18 bis 20 im Kompass Tierversuche 2026 genauer unter die Lupe genommen.
Das 3R-Prinzip

Gibt es eigentlich etwas, auf das sich Tierschützer*innen und Forschende beim Thema Tierversuche einigen können? Ja, das 3R-Prinzip! Es dient in der Forschung mit Tieren als universale Richtschnur. Johannes und Roman klären, was hinter den drei englischen Begriffen steckt, wie das 3R-Prinzip Tierschutz und Forschungsqualität voranbringt und führen endlich eine Podcast-Rubrik ein: Die Zeitreise! Fragen, Anregungen und Feedback über https://www.tierversuche-verstehen.de/3f-podcast
Reproduzierbarkeit
Die Standardisierung von Versuchsabläufen erhöht die Aussagekraft und Reproduzierbarkeit wissenschaftlicher Studien
Um die statische Streuung der Versuchsergebnisse und damit auch die Zahl der Versuchstiere zu reduzieren, die erforderlich sind, um eine wissenschaftliche Hypothese zu überprüfen, werden Tierversuche standardisiert. Das ist für die wissenschaftliche Arbeit von großer Bedeutung, denn damit wird die Aussagekraft und Reproduzierbarkeit wissenschaftlicher Studien erhöht. Es ist aber auch eine eindeutige Forderung des Deutschen Tierschutzgesetzes. Die Standardisierung erfolgt bei den Versuchstieren selbst – man spricht dann von sogenannten endogenen Faktoren – sowie bei den Haltungsbedingungen der Tiere, den sogenannten exogenen Faktoren. Denn auch diese können Einfluss auf die Ergebnisse von Tierversuchen nehmen.

Das Mysterium der Reproduzierbarkeit – Worauf kommt es wirklich an?
Warum schmeckt die Pasta in Italien so viel besser als bei mir zu Hause, obwohl ich doch das Original-Rezept von dort benutze? Weil es nun mal verdammt schwer ist, ein Rezept eins zu eins nachzukochen! Das kann am Rezept liegen: Vielleicht stehen wichtige Schritte oder Zutaten ja nicht drin? Oder es liegt an den Zutaten, die hier doch etwas andere sind als im Süden. Oder sind doch Koch und Köchin Schuld?
Natascha Drude ist am QUEST Center for Responsible Research des Berlin Institute of Health (BIH) zwar nicht für die Kantine verantwortlich, sondern arbeitet dort als Wissenschaftlerin. Aber sie untersucht, wie Forschungsprojekte gestaltet sein müssen, damit Experimente eines Labors in einem anderen Labor reproduziert werden können und weiß daher wie wichtig gute Rezepte (a.k.a. Protokolle!) sind. Dabei schaut sie sich speziell Projekte an, die Tierversuche enthalten.
Und das macht sie zur idealen Gesprächspartnerin für Roman und Johannes, die in dieser Folge die Frage stellen: Wann sind wir bereit einer Behauptung zu glauben oder uns auf ein Messergebnis zu verlassen? Und wie lassen sich Forschungsergebnisse verlässlich reproduzieren, obwohl doch sowohl Menschen als auch Tiere und selbst Zellen in der Petrischale individuell verschieden sind?
Übertragbarkeit
Die Übertragkarbeit von Versuchsergebnissen – Müssen Ergebnisse immer auf den Menschen übertragbar sein?
„90% der neu entwickelten Medikamente, die in Tierversuchen erfolgversprechend waren, scheitern in klinischen Versuchen am Menschen“ lautet ein häufiges Argument gegen Tierversuche. Denn das zeige doch, dass Tierversuche in der Medikamentenentwicklung sinnlos seien, weil die Ergebnisse nicht übertragbar sind, also keine Vorhersage für den Menschen erlauben.
Woher kommt dieser Mythos? Und was bedeutet Übertragbarkeit eigentlich? Ist das überhaupt das Ziel der Forschung mit Tieren?
Im Podcast Fabeln, Fell und Fakten nehmen sich Johannes und Roman dieses „dicke Brett“ vor und klären die Hintergründe. Dabei muss man zwangsläufig auch ein wenig über die Entwicklung von Medikamenten lernen. Und die endet immer mit Menschenversuchen. Oha!
Und die beiden schaffen es, das Paradox aufzulösen, dass die meisten Tierversuche gar nicht „übertragen“ werden sollen.
In einem Animationsfilm sowie in einem Factheet wird Aspekt der Übertragbarkeit ebenfalls nochmal erklärt. Eine systematische Übersichtsstudie aus 2024 untersucht außerdem, wie häufig sich Versuchsergebnisse wirklich auf den Menschen übertragen lassen.
Forschungsqualität
Helene Richter über die Wohlergehensforschung
Ihre Professur ist einzigartig in Nordrhein-Westfalen und soll den Tierschutz in Laboren verbessern: Prof. Dr. Helene Richter von der Westfälischen Wilhelms-Universität entwickelt neue Methoden, um das Wohlergehen von Versuchstieren objektiv ermitteln zu können. Im Interview beschreibt sie, wie Emotionen bei Tieren gemessen werden und Wohlergehensprobleme wissenschaftliche Ergebnisse beeinflussen können. Frau Richter gilt ebenfalls als Expertin für das Konzept der standardisierten Heterogenisierung, welches die Reproduzierbarkeit von Versuchsergebnissen verbessern soll.
Jede Forschungsfrage braucht einen ganz eigenen Mix an Methoden
Das deutsche Tierschutzgesetz legt fest, dass Tierversuche nur durchgeführt werden dürfen, wenn keine Alternativmethoden für den jeweiligen Versuch zur Verfügung stehen. Die zuständigen Behörden und ihre beratenden externen Kommissionen genehmigen einen Tierversuchsantrag nur dann, wenn Wissenschaftler*innen einen Nachweis erbringen können: Forschende müssen belegen, dass das Forschungsvorhaben nicht ohne Tierversuche auskommt und der zu erwartende Nutzen des Experiments das mögliche Leiden des Tieres ethisch rechtfertigt.
