Jahr für Jahr bringt die biomedizinische Forschung weltweit große Erfolge hervor. Die Angriffs- punkte für Therapien sind dabei oftmals winzig klein und versteckt – ein Gen, eine Zelle oder ein Molekül. Eine personalisierte Gentherapie für ein Baby, ein Netzhautimplantat von der Größe einer Kugelschreiberspitze oder die Entdeckung eines Austauschs zwischen Nervenzellen und Tumoren. Das alles erfordert Präzision und wäre ohne die Erkenntnisse aus Tierversuchen nicht möglich. Das zeigt auch der Blick auf Highlights aus der Forschung, die Sie im Kompass auf den Seiten 25 bis 27 finden.
Die flinke Genschere CRISPR/Cas9 verleiht neuen Therapien-Flügel
Als „Breakthrough of the Year 2015“ gefeiert, als „Gentechnik durch die Hintertür“ heftig kritisiert und als Auslöser für einen internationalen Ethik-Gipfel in aller Munde: Die Entdeckung des CRISPR/Cas9-Systems durch die Wissenschaftlerinnen Jennifer Doudna und Emmanuelle Charpentier sorgt nicht nur in den Wissenschaftsszene für Gesprächsstoff. Mit Hilfe dieses neuen Genome-Editing-Verfahrens können Wissenschaftler DNA gezielt schneiden und verändern. Die Hoffnung ist groß, dadurch neue Therapien gegen Aids, Krebs und verschiedene Erbkrankheiten zu finden. „Tierversuche verstehen“ hat mit Prof. Dr. Wolfgang Wurst vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) über Chancen und Risiken des Systems gesprochen.
Schwierige Forschung – Malaria-Impfstoff fordert die Wissenschaft heraus
Forschende des Universitätsklinikums Tübingen haben einen neuen Malaria-Impfstoff entwickelt. Die Impfung mit dem Namen Plasmodium falciparum sporozoites (PfSPZ) zeigte in Untersuchungen bei Menschen über zehn Wochen einen bis zu 100-prozentigen Schutz. Signifikante Nebenwirkungen sind bislang nicht aufgetreten. Ist damit nun endlich der große Wurf gelungen?
Chorea Huntington: Tintenfische helfen bei der Erforschung der Erkrankung
Tintenfische verfügen über ein besonders hoch entwickelten Sinnes- und Nervensystem in einem zentralen Gehirn. Dadurch eignen sie sich besonders gut zur Erforschung von neurologischen Krankheiten wie Chorea Huntington.
Forschung an Allergien
Ob gegen Lebensmittel, Pollen oder Hausstaub – weltweit leiden immer mehr Menschen an Allergien. Die Ausprägung kann stark variieren: Einige erkranken an einer nur schwachen Ausprägung dieser Überreaktion des Immunsystems – für andere sind Allergien mit erheblichen Einschränkungen in ihrem Alltag verbunden. Bisher können in erster Linie die Symptome gut behandelt werden. An Therapien, die das eigentliche Problem an der Wurzel packen, mangelt es noch. Dr. Philipp Yu arbeitet am Institut für Immunologie der Universität Marburg und hat sich auf die Erforschung von Allergien spezialisiert. Dafür führt er auch Untersuchungen an Mäusen durch. Im Interview spricht er über die Bedeutung tierexperimenteller Forschung für sein Arbeitsfeld – aus Sicht des Wissenschaftlers und auch des Patienten.
Die chemische Industrie entwickelt jedes Jahr hunderte von neuen Substanzen. Bevor eine Substanz von den Behörden zugelassen wird, muss getestet werden, wie der menschliche Körper und beispielsweise auch die menschliche Haut auf den Stoff reagiert. Für diesen Nachweis sind Giftigkeitsprüfungen vorgeschrieben, die unter anderem im Tierversuch durchgeführt werden. Der Chemiekonzern BASF hat zusammen mit dem Schweizer Aroma- und Duftstoff-Hersteller Givaudan die weltweit erste toxikologische Teststrategie ohne Tierversuche entwickelt, die von der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) zugelassen wurde. In dem Film „Toxikologie ohne Tierversuche – Alternativmethoden bei Allergietests“ erzählen die beiden BASF-Wissenschaftler Dr. Robert Landsiedel und Dr. Susanne Kolle der Abteilung „Experimentelle Toxikologie und Ökologie“, wie sie die tierversuchsfreie Strategie mitentwickelt haben.
Wir sind ständig mit Chemikalien konfrontiert – im Haushalt, in der Umwelt, aber auch am Arbeitsplatz. Um zu verstehen, wie diese Chemikalien auf uns wirken, wird ihre Sicherheit für den Menschen seit Jahrzehnten wissenschaftlich untersucht – auch mithilfe von Tierversuchen. Die Mitglieder der Ständigen Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe (die so genannte MAK-Kommission) der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) beraten Politik und Behörden und geben Empfehlungen über den sicheren Umgang mit chemischen Stoffen. „Tierversuche verstehen“ sprach mit Kommissionsmitglied Prof. Brunhilde Blömeke über die Arbeit der MAK-Kommission und ihrer Arbeitsgruppe „Haut und Allergie“. Eine der Kernfragen: Wie die Bestimmung von sensibilisierenden Eigenschaften der Chemikalien für die Haut heute abläuft.
Cancer Neuroscience
Der auch als „Nobelpreis der Hirnforschung“ bezeichnete Brain Prize der dänischen Lundbeck-Stiftung wurde 2025 an den deutschen Frank Winkler und US-Amerikanerin Michelle Monje verliehen. Sie entdeckten, dass gesunde Nervenzellen des Gehirns mit Hirntumorzellen zusammenspielen und erkannten so erstmals, dass Methoden und Erkenntnisse aus den Neurowissenschaften die Krebsforschung entscheidend voranbringen können. Damit revolutionierten sie das Verständnis von Hirntumoren und eröffneten neue Wege für Therapieansätze. Möglich wurde dieser Durchbruch erst durch Versuche an Mäusen.