Eine weiße Ratte steht auf Händen mit lila Handschuhen.

Anhaltender Rückgang: Erstmals seit Jahrtausendwende weniger als 2 Millionen Versuchstiere in Deutschland  

Die Zahl der Versuchstiere in Deutschland ist im Jahr 2024 weiter zurückgegangen. Die Anzahl der in Tierversuchen eingesetzten Tiere sank erneut deutlich um rund 9 % auf 1.327.931 Tiere. Das geht aus den Versuchstierzahlen hervor, die das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) aktuell veröffentlicht hat. Die Initiative Tierversuche verstehen (www.tierversuche-verstehen.de) hat die Daten analysiert.

Auch die Zahl der zusätzlich für wissenschaftliche Zwecke getöteten Tiere, die nicht in Tierversuchen eingesetzt waren, sank um rund 7 % auf 626.538. Diese Tiere werden eingesetzt zum Beispiel zur Entnahme von Organen, Gewebeteilen und Zellen zur Herstellung von Zellkulturen und anderen tierversuchsfreien Forschungsmethoden. Zusammen ergibt sich eine Versuchstierzahl von 1.954.469 Tieren, die für wissenschaftliche Zwecke genutzt wurden.  

Damit liegt die Zahl der Versuchstiere in Deutschland so niedrig wie seit dem Jahr 2000 nicht mehr; sie befindet sich erstmals seit der Jahrtausendwende unter der Marke von 2 Millionen Tieren. 

„Die Bemühungen der Wissenschaft, Tierversuche konsequent zu reduzieren, wirken. Das ist gut! Doch der anhaltende, drastische Rückgang verstärkt unsere Sorge, dass der Forschungsstandort Deutschland bedroht wird: Handelt es sich um eine echte, wünschenswerte Reduktion – oder sind hier Faktoren am Werk, die einen sinnvollen und unerlässlichen Einsatz von Tieren in der Forschung strukturell behindern?“, gibt Prof. Stefan Treue, Sprecher der Initiative Tierversuche verstehen, zu bedenken. Zwar gebe es keine eindeutige Statistik hinsichtlich einer möglichen Abwanderung tierversuchsbasierter Forschung in andere Länder. Doch die Berichte von Forschenden, die den Aufwand einer überbordenden Bürokratie in Deutschland scheuen, würden sich immer weiter mehren. „Das Problem, das wir im vergangenen Jahr erstmals benannt haben, verschärft sich ganz offensichtlich”, so Treue. Eine Verlagerung von Tierversuchen in andere Länder wie etwa China, Indien oder Südkorea sei kein Gewinn für den Tierschutz. „Es ist vielmehr ein wachsendes Problem für den Forschungsstandort Deutschland“, betont Treue. 

Das Problem, das wir im vergangenen Jahr erstmals benannt haben, verschärft sich ganz offensichtlich.

Prof. Stefan Treue, Sprecher der Initiative Tierversuche verstehen 

Auch der Verband der Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland e.V. (VBIO) sieht den Rückgang differenziert und in seinem Umfang mit Sorge: „Aus unserer Sicht besteht Anlass zur Sorge, dass der Rückgang im Wesentlichen auf strukturelle Standortprobleme für die Forschung hinweist, und nur bedingt auf Fortschritte der Wissenschaft im Bereich der Alternativmethoden zurückgeführt werden kann. Die tatsächlichen Ursachen des Rückgangs sind unklar und vielfältig und ob Versuchstiere global dadurch profitieren, bleibt fraglich“, so Prof. Thomas Korff, Vorsitzender des Arbeitskreises für wissenschaftliche Tierversuche beim VBIO.

Zudem stellte jüngst die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) in einer Stellungnahme fest: Ausufernde Bürokratie, massive Verzögerungen und rechtliche Unsicherheiten behindern die Forschung – ohne einen Zugewinn an Tierschutz. Eine begleitende Pilotstudie belegt dies erstmals mit Zahlen. 

Auch Zahl der nicht verwendbaren Tiere geht weiter zurück 

Die Statistik enthält seit 2021 auch Angaben über Tiere, die gezüchtet und getötet, aber nicht für wissenschaftliche Zwecke verwendet wurden. Die Zahl dieser nicht verwendbaren Tiere sank ebenfalls – im Vergleich zum Vorjahr um 19 % auf 1.109.100 Tiere (2023: 1.373.173). „Für bestimmte Fragestellungen müssen Versuchstiere gezüchtet werden, die mehrere neue genetische Eigenschaften besitzen. Dabei entstehen unvermeidbar infolge der Mendelschen Regeln zwangsläufig auch Tiere, die nicht diese gewünschten Eigenschaften haben – aber eben immer weniger“, erläutert Treue. Gründe seien neben dem Rückgang bei den Versuchstieren unter anderem verbesserte Zuchtstrategien sowie eine präzisere Versuchsplanung, aber auch die Verlagerung von Zuchten ins Ausland..

Ungebrochener Trend: Immer weniger Tests an Tieren

Auch der Umfang der gesetzlich vorgeschriebenen Versuche – etwa zur Prüfung von Medikamenten oder Chemikalien – ist von einem weiter anhaltenden Rückgang geprägt. Hier ging die Zahl der Tiere erneut um rund 10 % zurück. Dazu trugen laut der Initiative Tierversuche verstehen auch der stetig zunehmende Einsatz von versuchstierfreien Technologien bei. 

Anhaltende Reduktion

Während die Versuchstierzahlen nun das fünfte Jahr in Folge sinken, blieb die Forschungsförderung weiter auf hohem Niveau. So erhöhte die Bundesregierung etwa die Ausgaben im Bereich Gesundheitsforschung in den vergangenen zehn Jahren von 1,96 Milliarden Euro im Jahr 2014 auf nun 3,18 Milliarden Euro – ein Plus von 63 %. Treue erläutert: „Trotz steigender Forschungsinvestitionen und wachsendem wissenschaftlichem Output nimmt die Zahl der Versuchstiere seit Jahren ab. Die Reduktion ist nun seit fünf Jahren so deutlich, dass sie nicht nur im Verhältnis zum Forschungswachstum, sondern auch absolut an den sinkenden Tierzahlen klar erkennbar ist.”  
 

Häufigstes Versuchstier bleibt die Maus

Wie in Vorjahren sind Mäuse, Ratten und Fische mit einem Anteil von insgesamt 94 % weiterhin die mit Abstand am häufigsten eingesetzten Versuchstiere. Etwa die Hälfte aller eingesetzten Versuchstieren ist genetisch verändert. Die ohnehin niedrige Zahl von Primaten in Tierversuchen ging 2024 noch einmal deutlich zurück (-34 %).  

Bei der Verteilung der Belastung von Versuchstieren gab es keine nennenswerten Veränderungen. So sank auch die Zahl der schwer belasteten Versuchstiere erneut und lag erstmals unter 50.000 Tieren.   

Reduktion weiter erklärtes Ziel 

„Wir sehen auch dieses Jahr wieder, dass die Reduktionsbemühungen der Wissenschaft Früchte tragen. Allerdings ist der Rückgang der vergangenen Jahre schon erstaunlich stark. Wir beobachten auch die Entwicklungen in anderen Ländern genau: In den Nachbarländern Deutschlands und in anderen Forschungsstarken Ländern in Europa sind keine so starken Rückgänge zu sehen“, lautet Treues Analyse. 

Die Reduktion von Tierversuchen ist ein erklärtes Ziel der Forschung. Sie bleibt jedoch zugleich eine komplexe Herausforderung, solange für bestimmte wissenschaftliche Fragestellungen noch keine gleichwertigen Alternativen zur Verfügung stehen. Welche Abwägungen Forschende dabei treffen und warum sie sich in konkreten Fällen für Tierversuche entscheiden, zeigt eine Sammlung von mehr als 200 Zitaten von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern.   

Hier finden Sie die Aufzeichnung des Online-Presse-Briefings zu den Versuchstierzahlen 2024
vom 10. Dezember 2025:

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